Die Gestaltung von Lehr-Lern-Forschungslaboren im Fach Geschichte unter Pandemiebedingungen

Die Gestaltung von Lehr-Lern-Forschungslaboren im Fach Geschichte unter Pandemiebedingungen

von Nadine Baston -
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Konzeption und Durchführung in der digitalen Lehre
Die dynamischen Entwicklungen der letzten Monate stellen auch die Konzeption und Durchführung der Lehr- Lern- Forschungslabore im Fach Geschichte vor große Herausforderungen. Die Lehrveranstaltungen des vergangenen Sommersemesters sowie im aktuell laufenden Wintersemester finden in digitaler Form statt und werden über Videocalls zu den regulären Seminarzeiten engmaschig begleitet. Hierzu werden Fachliteratur und Quellenmaterial aus Archiven sowie Ton- und Videodokumente für die Studierenden bereitgestellt. Neben theoretischen und fachlichen Anteilen bilden auch methodische Einführungen in das Arbeiten mit Geschichte im digitalen Raum einen zentralen Pfeiler in der Gestaltung der LLF-Seminare. Exkursionen vor Ort sowie die Anregung von Schüler*innendiskursen durch aktivierende Aufgaben können im aktuellen Format nicht durchgeführt werden.
Stärkung digitaler Kompetenzen
Trotzdem bieten die Lehrveranstaltungen viele wichtige Anknüpfungspunkte, die auch in Bezug auf digitale Kompetenzen von Geschichtslehrkräften von besonderer Bedeutung sind und in Zukunft vermehrt gefordert sein werden. Fachliche Bezüge ergeben sich über ein weiteres Projekt des Arbeitsbereichs Geschichtsdidaktik, das die Konzeption eines „multimedialen Schulgeschichtsbuches“ zu Neustadt an der Weinstraße im Nationalsozialismus beinhaltet. Das am 10. Dezember 2020 vorgestellte und über seine Webpräsenz zugängliche Projekt  will das didaktische Potential des Volksgemeinschafts-Konzepts anhand regionalgeschichtlicher Fragestellungen rund um die ehemalige „Gauhauptstadt“ für den Schulunterricht fruchtbar machen und multimedial präsentieren. Durch die Fokussierung auf den digitalen Raum wird die didaktische Reflexion zu den Medien des historischen Lernens von den Studierenden intensiver als ein wesentliches Kriterium für einen guten, kompetenzorientierten Geschichtsunterricht wahrgenommen und in den Mittelpunkt von Planungsphasen gestellt. Die neuen Möglichkeiten bei der Präsentation von erzählter Geschichte im multimedialen Schulbuch führen in den Studierendengruppen im LLF in der Konzeptionsphase zu intensiven Gesprächen über die Gestaltung von Lernprozessen zur Dekonstruktion.
Problemorientierte Auseinandersetzung mit Digitalisierungsimpulsen
In Kooperation mit zwei Neustadter Gymnasien wurde und wird sich daher auch in den Hauptseminaren der Geschichtsdidaktik damit auseinandergesetzt, wie das Fachkonzept Volksgemeinschaft, das in der Zeitgeschichte die Forschungsarbeit zum Nationalsozialismus im Augenblick nachhaltig prägt, in eine geschichtsdidaktische Kategorie zur Gestaltung von Lernarrangements übersetzt werden kann. Mediale Grundfragen rücken verstärkt in den Fokus, die Chancen wie Grenzen multimedialer Lernmaterialien vor Augen führen.  Sie fördern - geeignete Lernaufgaben vorausgesetzt - das Lernen an und mit Medien. Wie aber kann man auch das Lernen in den Medien fördern - oder wird es gar behindert? Wenn das Schulbuch auf dem iPad ist, fällt das iPad als kreativer Raum bzw. als Raum für die eigene Konstruktion aus? Welchen didaktischen Mehrwert bietet der Einbezug des digitalen Raums im Hinblick auf eine Thematisierung erinnerungskultureller Fragestellungen? Zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen hat sich die technische Ausstattung der Geschichstdidaktik mit iPads als vorteilhaft erwiesen. Diese können für die Dauer der Projektarbeiten an die kooperierenden Schulen ausgeliehen werden und dienen dabei nicht ausschließlich zur Präsentation der Quellen und Darstellungen, sondern ermöglichen auch Kommunikation über Audio-Nachrichten der Studierenden und halten Anlässe zum produktorientierten Arbeiten bereit.