Dieses Modul führt Sie mit Hilfe von Texten und Übungen Schritt für Schritt an die Indikatorenbildung heran.

Das Verfahren der indikatorenbasierten Videoanalyse gewinnt vor allem in den letzten 15 Jahren zunehmend an Bedeutung für die Unterrichtsforschung. Die Methode ermöglicht es im Gegensatz zur herkömmlichen Hospitation, die komplexen Lehr-Lernprozesse immer wieder und aus verschiedenen Blickwinkeln heraus zu untersuchen (vgl. Baston et al., 2019, S. 143). Unter einem Indikator versteht man im Allgemeinen eine operationalisierte Verhaltensweise, die beobachtet und gemessen werden kann (vgl. Höft & Kersting, 2018, S. 30). Im Kontext der Unterrichtsforschung werden Indikatoren genutzt, um unterrichtliche Prozesse beschreiben und bewerten zu können (vgl. Lotz, 2016, S. 149). Dabei kann zwischen niedrig-, mittel- und hoch-inferenten Indikatoren unterschieden werden. Die Inferenz beschreibt dabei den Grad an Schlussfolgerungen, der bei der Beobachtung der Indikatoren notwendig ist (vgl. Lotz et al., 2013, S. 358). Niedrig-inferente Indikatoren können somit leichter beobachtet werden und eignen sich vor allem für die Untersuchung der Sichtstrukturen des Unterrichts. So sind beispielsweise für die Kodierung der Sozialform keine Schlussfolgerungen durch eine/n Rater:in notwendig (vgl. ebd., S. 359). Niedrig-inferente Indikatoren haben den Vorteil einer hohen Reliabilität, sind jedoch nur bedingt geeignet, um Aussagen zur Unterrichtsqualität zu treffen. Hierfür bedarf es hoch-inferenter Indikatoren. Diese Ratings beziehen sich auf nicht sichtbare Strukturen des Unterrichts, die durch eine/n Rater:in interpretativ erschlossen werden müssen (vgl. Ewerhardy et al., 2012, S. 81). Mittels hochinferenter Indikatoren kann die Qualität von unterrichtlichen Situationen eingeschätzt und Merkmale des Unterrichts bewertet werden. (vgl. Lotz et al., 2013, S. 360). Sie bieten die Möglichkeit, einen qualitativen Gesamteindruck der Unterrichtsqualität zu erhalten und die Umsetzung der Basisdimensionen guten Unterrichts zu bewerten (vgl. Rakoczy & Pauli, 2006, S. 206). Die Bewertung der Indikatoren erfolgt über ein Schätzverfahren zur Ausprägung bestimmter Merkmale auf vorab definierten Skalen (vgl. Lotz et al., 2013, S. 359). Deshalb gilt es an dieser Stelle zu erwähnen, dass hoch-inferente Indikatoren die Gefahr von subjektiven Beurteilungsfehlern mit sich bringen.25 Die Auswahl und Einschätzung der Unterrichtssituationen hängen in hohem Maße von der/dem Rater:in ab (Rater Bias) und sind kaum standardisierbar (vgl. ebd. S. 360).

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